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[Und noch eine Antwort auf Erich Follath, diesmal von Henryk M.Broder:]

„Sie fragen mich: „Was ist denn bloß los in Israel, dass eine ultranationale Partei wie Ihre Israel Beitenu zur drittstärksten Kraft wird, dass sich ein Großteil der Bevölkerung nicht einmal mehr ansatzweise in das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung hineinversetzen kann? Woher diese Mitleidsmüdigkeit, dieser Zynismus, diese Friedensunfähigkeit…?”

Obwohl es sich vermutlich nur um eine rhetorische Frage handelt, mit der Sie ihre moralische Überlegenheit beweisen wollen, beantworte ich sie gerne: Weil Israel das einzige Land der Welt ist, dessen Existenz seit 60 Jahren Tag für Tag in Frage gestellt wird und weil man von uns Dankbarkeit erwartet, wenn man uns versichert, dass wir ein Recht auf ein Leben in sicheren Grenzen haben, uns aber dafür verurteilt, wenn wir uns gegen Angriffe zur Wehr setzen; weil jede Konzession, auf die wir uns eingelassen haben, unsere Situation nicht verbessert, sondern verschlechtert hat; weil ein Mörder, der u.a. ein Kind mit einem Gewehrkolben erschlagen hat, den wir nicht zu Tode verurteilt haben, nach seiner Freilassung in den Libanon wie ein Held gefeiert wird; weil ein deutscher Professor, der die Opfer des Olympiaanschlages von 1972 verhöhnt, indem er behauptet, die israelischen Sportler wären „freiwillig“ in den Tod gegangen, um der israelischen Sache zu dienen, nur von seiner wissenschaftlichen Freiheit Gebrauch macht und deswegen nicht gemaßregelt werden kann; weil die Hamas mit ihren Gegnern so liebevoll umgeht, dass diese in Israel Zuflucht suchen; weil wir ständig von Leuten belehrt werden, was wir tun und was wir lassen sollten, die ihrerseits mit ein paar randalierenden Autonomen nicht fertig werden; weil man von uns etwas erwartet, das man von keiner anderen Nation erwarten würde, nämlich: unserer Selbstauflösung zuzustimmen, um den Nahostkonflikt nicht eskalieren zu lassen; weil wir als Opfer enorm beliebt sind, als Täter aber mit ganz anderen Maßstäben gemessen werden; weil wir uns anhören müssen, dass in Gaza ein „Holocaust“ stattfindet, während wir unseren Holocaust für politische Zwecke „instrumentalisieren und missbrauchen“. Und jetzt kommen Sie daher und fragen in aller Unschuld, woher unsere „Mitleidsmüdigkeit und Friedensunsfähigkeit“ kommt.“

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